Frau Schmuddelfuss ist ein Hundeblog, der hauptsächlich um die Cavalier King Charles Spaniel Dame Ivy handelt.

Merk dir: Die anderen wissen es immer besser!

„Du musst ihr zeigen, wer der Chef ist!“, „Du bist zu nachsichtig! Sie tanzt dir auf der Nase rum!“ und „Was machst du für einen Aufriss? Da muss sie dann halt durch.“ sind Dinge, die ich oft höre. Auch beliebt: „Einen jungen Hund immer wieder zu schonen ist Tierquälerei!“ und „Lass sie nicht leiden, sondern erlös sie dann!“. Wie gut, dass die anderen immer alles besser wissen.

 

Gut gemeinte Ratschläge sind das eine, …

Niemand ist allwissend, niemand ist unfehlbar und einige gut gemeinte Tipps können Wunder bewirken, weil sie zum Beispiel neue Wege aufweisen oder aber es ist nur eine klitzekleine Kleinigkeit, an die man selbst einfach nicht gedacht hat.

Ich hole mir gerne die Meinung von anderen ein, höre mir Ratschläge offen an und versuche, mich stetig weiterzubilden und das in den unterschiedlichsten Bereichen. Ich frage gezielt nach, bitte um eine Beurteilung und hinterfrage Sichtweisen. Gerne tausche ich mich aus, unterhalte mich, informiere mich und diskutiere hin und wieder über einige Aspekte. Auch besuche ich Spezialisten und höre mir ihre Sicht der Dinge an.

Warum? Weil mich die Sicht von bestimmten Menschen sehr interessiert. Ich finde es wichtig, offen zu sein und sich verschiedene Sichtweisen anzuhören. Nur so können wir lernen.

So besuche ich mit Ivy zum Beispiel für unsere erziehungstechnischen Baustellen Workshops, nehme an bestimmten Kursen teil, hole mir die Meinung verschiedener Trainer ein und tausche mich mit anderen aus, die ebenfalls nicht ganz so einfache Hunde haben.

Bei unseren gesundheitlichen Baustellen sieht es ähnlich aus. Ich stehe mit verschiedenen Tierärzten in Kontakt, frage Ivys liebste Physiotherapeutin um Rat, tausche mich mit anderen Betroffenen aus, stehe mit tollen Züchtern in Kontakt, die mir wertvolle Ratschläge geben.

Das alles ist so viel Wert und kann ich nur jedem empfehlen!

 

…, besserwisserische Belehrungen das andere.

Doch dann gibt es auch immer wieder Leute, die sich ungefragt aufplustern, sich vor dich stellen, mit dem Finger auf dich zeigen und sagen: „Du machst das alles falsch!“

Und die meisten dieser Menschen, die sich solch ein Urteil bilden und es dir auch prompt an den Kopf knallen, wissen in der Regel nichts über dich und deinen Hund. Sie haben keine Ahnung von der Vergangenheit oder bestimmte Ereignisse. Auch wissen sie nichts über die Erfolge, die man schon gefeiert hat. Sie haben keinen blassen Schimmer, was man schon alles versucht hat. Die Vorgeschichte kennen sie ebenfalls nicht, genauso wenig wie die Krankengeschichte. Sie wissen nichts. Und doch maßen sie sich an, allwissend zu sein.

 

„Du musst sie mehr in ihre Schranken weisen!“, „Kein Wunder, dass sie dir auf der Nase rumtanzt.“, „Also bei mir würde sie das ganz schnell sein lassen.“

Ohja, sowas höre ich ständig. Von allen Seiten. Zu 99,9 Prozent ungefragt. Jeder weiß es besser und jeder äußert es. Und diese Kommentare kommen manchmal sogar von Menschen, die noch nie in ihrem Leben einen Hund hatten.

Am Anfang hat es mich verunsichert und meine Einstellung ins Wanken gebracht. Vielleicht haben sie recht? Eventuell gehe ich wirklich zu lapidar mit dem kleinen Cavalier Mädchen um? Vielleicht muss ich härter durchgreifen? Vielleicht mache ich wirklich alles falsch? Wer weiß, vielleicht hätte sie es woanders besser? – Ohja, Selbstzweifel hatte ich viele.

Aber: Irgendwann lernt man, welche Meinungen und Ratschläge man annehmen sollte, und welche man getrost ignorieren kann. Und irgendwann lernt man, da einfach drüber zu stehen. Es sich nicht zu Herzen zu nehmen, sondern es einfach nur zu belächeln, getreu nach dem Motto: „Red du nur.“

Denn: Niemand kennt den eigenen Hund besser als man selbst!

Und: Mit der Zeit lernt man, konstruktive Kritik und hilfreiche Tipps von absolutem Bullshit zu unterscheiden. Man lernt, auf sein Bauchgefühl zu hören und diesem zu vertrauen.

 

„Den Hund zu schonen ist Quälerei!“

Ich gehe offen damit um, dass Ivy viele gesundheitliche Baustellen um. Und ich berichte ehrlich und offen von unseren Hochs genauso wie von unseren Tiefs. Seit über zwei Jahren meistern wir diese gemeinsam und genießen die Zeit, die wir haben. Es wäre naiv, die Augen vor der Realität zu verschließen und auf „Friede, Freude, Eierkuchen“ zu machen. Wir setzen uns kleine Ziele, die wir erreichen möchten – aktuell ist es ihr vierter Geburtstag, den wir feiern wollen.

Vor allem versuche ich ihr ein wunderschönes Leben zu ermöglichen, das lebenswert ist. Sie soll über die Felder wetzen, Spuren inhalieren, sich in ekelhaft stinkenden Dingen wälzen, durch den Schnee hüpfen, Schmetterlinge jagen, im Fluss planschen und noch vieles mehr dürfen. Ich möchte, dass ihr Leben glücklich und erfüllt ist, ganz egal, wie lange es sein wird.

Doch manchmal kommen die Tiefs, wo wir einen Gang zurückschalten müssen. Wo wir es ruhig angehen lassen und wo geschont wird. Tiefs, wo ich genau schaue, ob meine kleine Heldin noch bereit ist zu kämpfen. Wenn ja, dann kämpfen wir gemeinsam und versuchen alles, was möglich ist. Wenn nein… dann lasse ich sie gehen. Doch das ist unsere Entscheidung. Ganz allein unsere!

Warum ich das erzähle? Weil es auch hier Menschen gibt, die sich ungefragt aufplustern und ihre Meinung kundtun. Als es Ivy Weihnachten so schlecht ging, wurde mir gesagt, dass ich den Hund doch endlich erlösen sollte. – Natürlich wieder ungefragt und ohne überhaupt nur ansatzweise informiert zu sein. Einfach so, aus dem nichts.

Und gestern durfte ich mir anhören, dass es Tierquälerei ist, dass ich den kleinen lebensfrohen Hund die letzten Wochen geschont habe und mir das ja endlich mal einer sagen müsste. – Auch dies kam so aus dem nichts und die Person hatte lediglich eine Information aus Ende Dezember, die es ihr erlaubte, mich zu belehren, anzuprangern und zu verurteilen.

 

Lass die anderen reden und hör auf dein Bauchgefühl

Long story short: Egal worum es geht, du kannst davon ausgehen, dass die anderen es immer besser wissen. Am Ende zählt doch ganz allein deine Entscheidung. Informier dich, sei offen, sprich mit anderen, hol gezielt Meinungen von Personen ein, deren Sichtweise dich wirklich interessiert. Dies könnten Spezialisten sein, Vorbilder oder aber auch einfach andere Betroffene. Aber lass dich nicht von Menschen verunsichern, die sich als allwissend aufspielen und von oben herab dich belehren wollen.

Hör auf dein Bauchgefühl, denn du allein kennst deinen Hund am besten.


4 Comments

  • Liz gugau

    20/02/2017

    Sehr gut geschrieben, es tut mir so leid, dass du dich mit solchen …. abgeben musst. Wer lesen kann weiß, dass es Ivy nirgendwo hätte besser treffen können, als bei dir! Ich war beim Lesen dieses Textes wieder mal so froh, dass ich meine Freundin Lucie an meiner Seite hatte und habe! Weil wenn es mit Lizzy ein Problem gibt, hat sie einfach die viel größere Erfahrung und sie ist so fest geerdet, dass sie mich ebenfalls wieder auf den Boden der Tatsachen bringt, wenn ich mich von Kommentaren verunsichern lasse. Ich wünsche Euch beiden von tiefstem Heruen noch viele sehr gute gemeinsame Zeiten!

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  • Nicole

    21/02/2017

    Genau am Ende zählt Deine Entscheidung, denn nur Du kennst Deinen Hund in und auswendig. Ihr macht das so toll und ich weiß das Du für Ivy alles machen würdest was Du kannst und sie sicher nicht leiden muss. Lass Dich nicht beirren und geht Euren Weg! 🙂

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  • Genki & Co

    21/02/2017

    Das kenne ich zu gut und muss leider sagen, dass mir inzwischen die Lust danach mich über „schwierige Themen“ in irgendeiner Form online mit anderen Hundebesitzern auszutauschen komplett vergangen ist – Und dabei ist es schon schwer überhaupt festzustellen, welche Themen „schwierige“ Themen sind, denn heutzutage erscheint mir jedes Thema in Bezug auf den Hund wie ein Mienenfeld. Früher habe ich auch noch oft Rat gesucht oder auch Mal bei Diskussionen mitgemischt, aber ich habe irgendwann festgestellt, dass diese Ratschläge oder dieser Austausch so nicht funktioniert, weil viel zu viele Leute sich aufgrund völlig spärlicher Informationen irgendwas zusammenreimen und sich Urteile über Situationen bilden, von denen sie nur einen Aspekt kennen. Um Mal so ein Beispiel der letzten Tage zu nennen: Ich habe irgendwo erwähnt, dass ich meine Hunde kurz an die Leine nehme, wenn wir an anderen Hunden vorbeilaufen. Sofort wurde ich als Tierquäler abgestempelt, der seine Hunde „stranguliert“. BÄM! So schnell geht das. Ganz abgesehen davon, dass ich noch immer nicht verstehe, was an der kurzen Leine so schlimm sein soll, tragen meine Hunde Geschirre und wie ich sie damit strangulieren soll, ist mir ein Rätsel. Aber da gibt man eben eine Information preis und irgendwo im Hirn rattert es dann bei einigen Leuten im Kopf und es werden ganz merkwürdige Szenarien daraus gesponnen, die so einfach nicht der Realität entsprechen. Deshalb habe ich auch keine Lust mehr von irgendwelchen Leuten Ratschläge zu bekommen, die das „Gesamtpaket“ nicht kennen.
    Außerdem finde ich es ganz heftig, was du da für „Ratschläge“ bekommst. Hier geht es ja nicht um das beste Hundegeschirr oder die beste Route zum Spazierengehen. Hier maßen sich Außenstehende, die die Gesamtsituation mit Sicherheit nicht so beurteilen können wie du, an dir nahezulegen deinen Hund einzuschläfern. Das finde ich schon ganz weit aus dem Fenster gelehnt und nie im Leben würde es mir einfallen jemanden so etwas zu raten.

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  • Agnes

    06/03/2017

    Vielen Dank Jana, für diesen Beitrag.
    Neele und ich kennen das auch nur all zu gut und all zu oft, schlucke ich meine Gedanken einfach runter und hinterfrage – wie Du – ob die Leute nicht vielleicht doch Recht haben.
    Wenn unsere Maus mal wieder schlechte Phasen hat und nicht laufen möchte, wird auch gleich getuschelt in unserer Siedlung – “ Der Hund müsse doch mehr Auslauf haben, das geht doch nicht“.
    Das die Maus dann aber mehere Gassigänge hat, die zwar kurz aber oft sind, sehen sie nicht, das die Lütte läuft wie ein Ömchen und einfach gar nicht viel laufen mag auch nicht.
    Mein Mann sagt dann immer, ich soll sie reden lassen. So wie Du es hier beschreibst – ich sollte mir vielleicht ein Beispiel an Dir nehmen 🙂 – denn keiner kennt doch die Lütten so gut wie wir,also, wie der Besitzer selbst.
    Kein Außenstehender – so wie Du sagst, kennt den Hund und dessen komplette Geschichte … aber das sind meist Wichtigtuer… sollen sie doch reden – ich finde Deinen Blog und den Umgang mit Ivy einfach „erste Sahne“ zumindest das, woran Du uns teilhaben lässt 😉 *Daumen hoch* und weiter so …

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