Frau Schmuddelfuss ist ein Hundeblog, der hauptsächlich um die Cavalier King Charles Spaniel Dame Ivy handelt.

Mein kleiner gesundheitlicher „Totalschaden“ – Syringomyelie

Ich erinnere mich noch ziemlich gut daran, wie ich mich fühlte, als der Verdacht „Syringomyelie“ in den Raum gestellt wurde. Es fühlte sich an, als würde ich vom LKW überrollt werden. Mehrfach. Immer und immer wieder. Die Welt hörte kurz auf sich zu drehen, bevor sie in tausend Scherben zusammen fiel. Und mit der Welt fiel auch ich.

Jetzt hatte ich zwei Möglichkeiten. Entweder ich kauere mich in einer Ecke zusammen, schniefe vor mich her und jammere, dass das Leben unfair ist, während ich Ivy bemitleide und bemuttere. Oder aber ich rappele mich gefälligst wieder auf, stecke meine Nase in die Bücher und das Internet, recherchiere und mache mich schlau und tue alles, was in meiner Macht steht.

Und jetzt ratet mal, für was ich mich entschieden hatte.

 

Vermutung Syringomyelie – Was jetzt?

Zunächst ging es jedoch noch einmal zu unserem Tierarzt, wo wir ausgiebig über das weitere Vorgehen sprachen. Man hätte zum Beispiel ihr die Medikamente geben können, die ein an Syringomyelie (SM) erkrankter Hund bekommen würde, und dann schaut man, ob sie auf das Medikament anspringt und das Kratzen nachlässt oder gar aufhört. Denn der aktuelle Stand zu diesem Zeitpunkt war: Es gab noch keine 100% Diagnose. Dieses Vorgehen würde den Geldbeutel natürlich erst einmal schonen, denn Medikamente sind selbstverständlich günstiger als gleich das MRT. Und vielleicht ist ja doch nicht SM die Ursache für das Kratzen.

Mein Bauchgefühl sagte mir: MRT! Aber da ich ein Kopfmensch bin, wurde eine Pro & Contra Liste angelegt. Ok, nicht nur eine. Viele. Natürlich wusste ich, dass ein Hund Geld kostet. Und natürlich wusste ich, dass ein Hund nicht nur viel Geld sondern verdammt viel Geld kosten kann. Aber ich will nicht lügen – natürlich schluckt man erst einmal, wenn man an die Kosten denkt, die da nun auf einen zukommen und man überschlägt vielleicht auch mehrfach, wie man das denn wuppen kann. Hinzu kommt, dass die Spezialisten nicht einmal eben um die Ecke sind, sondern in Berlin (350 km) und Gießen (250 km) sind. Und die Narkose, die auch immer irgendwie für Bauchschmerzen sorgt.

Doch es sprachen auch genügend Argumente für ein MRT. Vor allem hat man dann Gewissheit. Denn woher weiß man, dass die „wir-testen-medikamentös -ob-es-eine-Verbesserung-gibt-und-schauen-dann-weiter“-Variante tatsächlich ergiebig ist? Was ist, wenn der Hund nicht auf das Medikament reagiert? Kann man dann Syringomyelie tatsächlich ausschließen? Vielleicht schlägt das eine Medikament nicht an, aber dafür gibt es ein anderes Medikament, was wirkt?

 

686 km. 6 Stunden Fahrt. Endlich Gewissheit.

Nach reichlicher Überlegung entschieden wir uns für ein MRT, um wirklich Gewissheit zu haben. Ich telefonierte mit Herrn Dr. Deutschland, einem Spezialisten auf diesem Gebiet, und vereinbarten einen Termin in Berlin. Wie unser Ausflug dorthin ablief? Ungefähr so:

4.30 Uhr. Mein Wecker klingelte seit einer halben Stunde und ich drückte zum x-ten Mal die Snooze-Taste. Doch es half nichts, Zeit zum Aufstehen. Natürlich nur für mich, Madame Schlafmütze Ivy drehte sich um und schnorchelte weiter – Gemeinheit…

5.15 Uhr. Wir saßen im Auto und los gings. „Eine Autofahrt ist lustig, eine Autofahrt ist schön“ – die Autobahn war frei. So machte das Fahren wenigstens Spaß. Zwischendurch gab es natürlich auch kleine Pausen. Da wir gut in der Zeit waren, gab es kurz vor Berlin noch eine längere Pause. Und danach kamen wir prompt in einen Stau, hurra…

9.20 Uhr. Wir erreichten pünktlich die Klinik in Berlin und haben sie auch gleich gefunden – sie war auch eigentlich gar nicht zu übersehen. Wir Landeier sind also tatsächlich angekommen. Und wie es sich für ein Landei-Hund gehört, wurde vor dem Eingang gleich erst einmal ein Stadhund-Chihuahua angepöbelt (vielleicht doch kein Landei-Hund, sondern eher ein „Ghetto-Hund“?)…

9.25 Uhr. An der Rezeption wurden wir freundlich begrüßt und ich musste erst einmal einen Anmeldebogen ausfüllen. Vor Nervosität habe ich Ivys Geburtsjahr ausversehen falsch angegeben und sie erst 6 Monate alt gemacht – was mir aber erst auf der Rechnung während der Rückfahrt aufgefallen ist… Im Gespräch haben wir aber zum Glück darüber geredet, dass sie 1 1/2 Jahre alt ist. Puh, meine grauen Zellen sind einfach nicht zu gebrauchen, wenn ich nervös bin.

9.40 Uhr. Wir mussten kurz im Wartezimmer warten und waren dann aber auch schon dran. Herr Dr. Deutschland nahm sich sehr viel Zeit, hörte mir zu, stellte Fragen und untersuchte mein kleines Fellknäul. Während des Gesprächs und der Untersuchung bestätigte er, dass der Verdacht bezüglich dieser Krankheit sehr nahe liegt. Denn:

  • Sie kratzt, wenn sie aufgeregt ist.
  • Das Kratzen kann man gezielt auslösen, wenn man eine bestimmte Stelle an der linken Schulter und am linken Oberschenkel berührt.
  • Sie hält häufig ihren Kopf schief, das linke Ohr nach unten.
  • Hin und wieder hatte sie „Schreianfälle“, ohne wirklich erkennbarem Grund.

Nach den Untersuchungen wurde ihr ein Venenkatheter gelegt und es hieß: Träum schön kleine Prinzessin. Und wir mussten 1 1/2 Stunden warten.

12.00 Uhr. Ungeduldig haben wir die Zeit in einem Café totgeschlagen und immer wieder auf die Uhr geguckt. Es fühlte sich an, als würden die Zeiger nur so kriechen… Irgendwann war es dann aber doch eeeeendlich geschafft und wir liefen wieder über die Straße zur Klinik. Nach kurzem Warten waren wir auch schon dran und ich hab endlich mein kleines Murmeltier wieder gesehen – die mir, noch leicht benebelt, zu meiner Überraschung erst einmal die kalte Schulter zeigte. Aber nur für 5 Minuten, dann wurde ich doch schwanzwedelnd und etwas schwankend begrüßt.

 

Der Verdacht bestätigte sich…

Mit Herrn Dr. Deutschland haben wir uns die MRT-Bilder angesehen und er beschrieb alles ganz genau. Leider bestätigte es sich, dass Ivy tatsächlich diese Krankheit hat. Wenn ich ehrlich bin, so hat mich dies eigentlich nicht überrascht, denn es war leider am Ende schon wirklich naheliegend. Und dennoch hoffte ich bis zum Schluss auf einen kleinen Floh, den wir einfach nicht gefunden haben..

Das MRT zeigte, dass die Syrinx ziemlich groß ist, leider. Die „gute Nachricht“ war, dass sie, bis auf zwei „Flecken“, eine verbundene Fläche ist und somit eine OP eine Möglichkeit wäre. Allerdings ist diese Krankheit nicht heilbar. Man könnte sie eventuell verlangsamen oder vielleicht auch stoppen, aber heilbar ist sie nicht. Zunächst bekamen wir aber erst einmal Medikamente verscheiben und 4 Wochen später ging es erneut zu Herrn Dr. Deutschland, allerdings dieses Mal nach Hannover.

 

Unser zweiter Termin bei Herrn Dr. Deutschland

Bei unserem zweiten Termin war Herr Dr. Deutschland sehr zufrieden mit Ivys Zustand, denn sie betrat aufgeweckt und neugierig den Behandlungsraum und wuselte umher. Ein Verhalten, das beim ersten Termin nicht einmal zu erahnen war – denn da hätte man sie fast als phlegmatisch bezeichnen können.

Die Medikamente schlugen gut an. Das eine Schmerzmedikament sollten wir nun ausschleichen lassen und dann absetzen.  Die Entwässerungstabletten sollten wir weiterhin geben und hinzu kam noch ein neues Medikament, das Ivy leider zunächst nicht sonderlich gut vertrug. Sie war müde, zog sich zurück und wollte ihre Ruhe haben. Nach Rücksprache mit dem Spezialisten reduzierten wir die Dosis und kurze Zeit später hatte ich meinen aufgeweckten Zwerg wieder.

Bei unserem zweiten Gespräch entschieden wir, dass wir erst einmal Abstand von einer Operation nehmen. Die Risiken bei solch einer OP ist groß und definitiv nicht zu unterschätzen. Die Erfolgschancen sind relativ gering. Es könnte sein, dass die Operation hilft und der Krankheitsverlauf verlangsamt oder gar gestoppt wird. Aber ob dies dann auf Dauer anhält, ist fraglich, da der Schlauch, der gelegt wird, verstopfen könnte. Es könnte auch passieren, dass die Operation gar nichts bringt. Oder aber, dass Ivy sie eventuell nicht unbeschaden übersteht. Es waren viele „hätte“, „könnte“ und „würde“. Das Fazit ist: Aktuell geht es Ivy mit dieser Krankheit den Umständen entsprechend gut. Das Risiko war und ist mir bisher einfach zu groß. Sollte sie irgendwann nur noch kratzen und sich kratzend auf drei Beinen fortbewegen, dann sehen wir weiter. Wenn wir an dem Punkt sind, wo wir sagen, dass wir nichts mehr zu verlieren haben, dann werden wir diese Möglichkeit wieder aufgreifen. Doch in der Zwischenzeit schieben wir dies erst einmal zur Seite.

 

Ein Jahr später. Ein Leben mit der Krankheit Syringomyelie

Seit dem Herumdoktorn, dem ersten äußern der Vermutung bezüglich der Krankheit Syringomyelie, unserem Besuch in Berlin und der Bestätigung der Diagnose ist schon mehr als ein Jahr vergangen. Über ein Jahr leben wir nun schon mit dieser Krankheit und haben einen Weg gefunden, damit umzugehen.

Ich würde behaupten, Ivy ist eine kleine, glückliche Hündin, die ein ganz normales Hundeleben führt. Sie bekommt weiterhin morgens ihre Tabletten und das findet sie richtig super. Warum? Na, es gibt sie immer in Leberwurst eingerollt. Nom nom nom. Und anschließend machen wir die Wiesen, Felder und Wälder unsicher.

Nachdem wir bzw. ich also zunächst das „P“ in den Augen hatte, haben wir gelernt mit der Krankheit Syringomyelie zu leben. Die Horrorgeschichten haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet und ich würde mal behaupten, dass Ivy glückliches Leben führt.


4 Comments

  • Princess Leah

    04/04/2016

    You are a beautiful girlie Ivy, you are very lucky to have such wonderful owner to take care of you. Eat up your morning pills and sausage and stay well sweetheart
    Loves and licky kisses
    Princess Leah xxx

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  • Anna

    12/04/2016

    Ein wirklich ehrlicher, emotionaler und aufklärender Beitrag zu dieser Krankheit und eurem Umgang damit. Ich mag deinen Schreibstil sehr gerne und werde in Zukunft öfter hier ‚vorbei lesen‘.
    Ganz liebe Grüße
    Anna

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  • Anonymous

    28/07/2016

    ja jetzt geht es mir genauso- unsicherheit ja werden ein mrt machen…kingcharles 6jahre alter rüde…hat grundloses kurzes aufjaulen…verdacht auf syringomlie….ihr beitrag gfällt mir außerordentlich und beruhigt mich bisi…..noch kein kratzen od. sonstiges-rückzug u. zeitweise aufjaulen…..viele liebe grüße aus wien

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    • Frau Schmuddelfuss

      31/07/2016

      Es tut mir sehr leid, dass auch bei Ihrem Hund die Diagnose im Raum steht… Ich drücke Ihnen die Daumen, dass vielleicht ein anderer „harmloser Grund“ gefunden wird. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie berichten, was das MRT ergeben hat.

      Alles Gute!

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